Künstlerische Position

Als Bildhauerin arbeite ich vorwiegend mit Holz und erschaffe gegenständliche Skulpturen und Reliefs. Dabei variiere ich das Genre Portrait in seinen verschiedenen Darstellungsmöglichkeiten. Zum größten Teil fasse ich meine Arbeiten farbig, sonst bleiben sie gänzlich ungefasst, das heißt auch nicht lasiert. Die Motive und Vorlagen gehen aus meinem unmittelbaren sozialen und privaten Umfeld hervor. Es sind hauptsächlich Menschen und einige Tiere, die als Einzelfiguren wirken, aber mitunter auch als Gruppe von mir zusammengestellt werden. Vorzugsweise arbeite ich bei den vollplastischen Figuren mit dem Stechbeitel, Reliefs erarbeite ich mit einem Kerbschnitt bzw. bei großen Formaten auch mit einem Kettensägenschnitt.

Meine Arbeiten sind das Ergebnis intensiver Beobachtungen von Menschen, denen ich begegne oder die mich oft umgeben. Dabei fasziniert mich der Mensch in seinem Individualismus, der nicht sofort erkennbar ist. Mich leitet bei meinen Beobachtungen, das einzigartige innere Wesen sehen zu wollen, das man sprachlich nicht fassen kann und das sich im Alltag versteckt. Dieses Ahnen oder Erkennen versuche ich dann in einer Figur sichtbar zu machen ohne sie dabei bloß zu stellen. Skizzen und die Suche nach dem geeigneten Stück Holz sind meine weiteren Arbeitsschritte. Beim Schnitzen einer Figur gewinnt diesser Kern Konsistenz und manifestiert sich in der beendeten Arbeit. Obwohl bei einer solchen Figur immer ein bestimmter Mensch das Vorbild ist, steht er jedoch als fertige Arbeit stellvertretend für eine Nuance des Menschseins.

Diesen langwierigen Prozess beim Entwickeln einer vollplastischen Figur verkürze ich bei der Erarbeitung meiner Reliefs. Das Motiv ist das gleiche, als Vorlage verwende ich hier jedoch Fotos, die ich „hinterhältig schieße“, wenn sich die Personen unbeobachtet fühlen. Denn es geht mir bei meinen Arbeiten nicht um Posen oder gestellte Szenen, wo sich die Menschen versuchen zu inszenieren. Ein Nebeneffekt ist dann allerdings, dass die Menschen auf den Reliefs zwangsläufig von hinten zu sehen sind. Aber gerade auch deshalb ist dieses Arbeiten reizvoll. Die Herausforderung besteht dann beim Schneiden den Ausdruck in der Körperhaltung präzise und manchmal auch verstärkt wieder zu geben. Dabei möchte ich dem Betrachter die Besonderheit jenes Momentes begreifbar machen und ihm ebenso die Möglichkeit geben, sich in der Darstellung vielleicht selbst zu erkennen.

Diese Aspekte meiner bildhauerischen Arbeit wurden unter Anderem von meiner Beschäftigung mit anderen Künstlern beeinflusst. Dazu zähle ich an erster Stelle Tilman Riemenschneider und Ernst Barlach, weiterhin den Fotografen August Sander und Stephan Balkenhol.